Heute möchte ich euch noch von ein paar weiteren Begegnungen mit der wunderbaren Avifauna Islands berichten. Dabei möchte ich auch mal auf die Wahrnehmung der Vogelwelt vor Ort eingehen.
Wenn man mit ornithologischem Interesse eine Rundreise in Island absolviert, wird man mit ziemlicher Sicherheit einige tolle Momente erleben, auch ganz ohne Vorkenntnisse. Kennt man noch einige spezifische Spots oder erhält vielleicht noch ein paar gute Tipps, dann sicherlich noch ein wenig intensiver.
Im Sommer Islands sind Begegnungen mit Vögeln teilweise anders als zum Beispiel aus Holland oder Deutschland gewohnt. Häufig haben die exakt gleichen Arten, die sich „bei uns“ auf eine Entfernung von 100 Metern bereits zurück ziehen, deutlich weniger Scheu. Auch nicht jedes Individuum der jeweiligen Arten, aber viele.
Ich möchte mal ein paar Eindrücke der Avifauna auf Island vermitteln – das bezieht sich also auf alle drei „Wildlife-Teile“ meiner diesjährigen Island-Bilder:
- Die häufigsten Vögel auf Island sind auf den Wiesen-, Lupinen- und Tundragebieten sicherlich die Küstenseeschwalben, Rotschenkel, Regenbrachvögel, Uferschnepfen, Wiesenpieper sowie Rotdrosseln - und direkt an den Küsten sind es Eissturmvögel, Eiderenten, Singschwäne, Sterntaucher, Odinshühnchen und Dreizehenmöwen.
- Die Dichte ist teils sehr hoch und viele Arten kommen sehr nah an die Zivilisation, das ist man in Deutschland nicht gewohnt – größere Küstenschwalbenkolonien sieht man dort zum Beispiel auch an Tankstellen, Hinterhöfen und Supermärkten, solange dort Wiesen ohne hohen Bewuchs stehen. Außerdem entstehen an Straßenrändern oft kleinere Gewässer, die stark von den auf dem Wasser lebenden Arten frequentiert werden
- Wenn in einem Dorf oder einer Stadt eine frisch gemähte Wiese steht, zeigt sich meistens eine große Schar von Limikolen, die einen Wurm nach dem anderen aus dem Boden ziehen. In Keflavik sahen wir an einem regnerischen Tag einmal unzählige Goldregenpfeifer mitten in der Stadt – am letzten Tag auf der aktuellen Reise mussten Christian und ich einmal laut lachen, als wir auf einer kleinen Verkehrsinsel 11 Goldregenpfeifer auf einer Stelle von circa 20x4 Metern sahen 🙃
- Im Sommer ist es selbst an zunächst karg wirkenden Landschaftsspots nie leise – je nach Habitat und Tageszeit hört man immer sehr dominant eine Vogelart. In der Tundra vor allem die Rotdrosseln, nachts die Sterntaucher (ein krasser Ruflaut) oder Brachvögel, an Gletschern die Schneeammern und Eiderenten, tagsüber verschiedene Limikolen und vor allem den wirklich „abgefahrenen“ Ruf von Bekassinen – sie allerdings zu fotografieren ist eine Challenge
- Man hat an vielen Stellen sehr „freundliche“/pastellige Habitate – im Gegensatz zu meiner Heimat, wo man oft einfach dunkle Waldränder im Hintergrund hat. Überhaupt sind viele Habitate sehr fotogen, mit Moosen und Flechten sowie kleineren Pflanzen und meist ohne störende Gräser
- Im Südwesten der Insel sahen wir am letzten Tag außerdem sehr viele Basstölpel und Gryllteisten jagen, was ich zuvor noch nie gesehen hatte
Wenn man meine diesjährigen Wildlife Bilder in Gänze über alle Teile hinweg betrachtet, bekommt man vielleicht ein Gefühl der tollen Artenvielfalt und Dichte dort. Wobei ich auch bei vielen Arten kaum noch auslöse – etwa bei Rotschenkeln und Singschwänen.
Außerdem stehen eigentlich Landschaftsspots auf dieser Reise im Fokus und ich investiere nicht mal den Bruchteil der Zeit, die ich sonst, ohne Teilnehmer, in eine Wildlifeserien stecke. Umso mehr überrascht mich jedes Mal, was in der Vogelfotografie auf Island mit wenig Aufwand möglich ist.
Die Highlights habe ich euch sicherlich schon gezeigt, aber die Bilder aus dieser Serie finde ich auch durchaus nochmal zeigenswert. 80 Bilder sind es insgesamt auf dieser Reise geworden, von denen ich bereits 76 in den 4 Serien gezeigt habe.
Ich sende nun viele Grüße und viel Spaß mit den Bildern,
Thomas


Wir fotografierten sie tatsächlich erst nach Checkout aus dem Hotel dieser Station, da sich der Nebel dann endlich noch auflöste. Eigentlich waren wir schon auf dem Weg nach Höfn, aber das ließen wir uns nicht nehmen und legten noch diesen (zeitlichen) "Umweg" ein.




Er stand sofort perfekt eingerahmt und so nimmt man die Aufnahme einer "einfachen Uferschnepfe" trotz wahnsinniger Müdigkeit halt auch noch mit, es gibt Schlimmeres, das vom Schlafen abhält 😅 Witzigerweise mussten wir nicht mal auf den Boden, da sich die Wiesenfläche etwa auf 1,50m Höhe befand…

Bei diesem Exemplar bin ich mir nicht sicher, ob es auch ein Regenbrachvogel ist. Für einen großen Brachvogel stimmt die Länge des Schnabels eigentlich nicht, allerdings hat ein Regenbrachvogel meist eine stärkere Kopfzeichnung (Danke an Martin und Holger für den Hinweis 😉)

Das wars nun auch. Ich hoffe, dieser letzte Teil aus der aktuellen Island Reise hat euch gefallen 😊👋
Danke für dein Interesse!
Mit besten Grüßen,
Thomas











