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"Let it flow"

Schon seit langem haben es mir Detailbilder von Wellenbewegungen auf Wasseroberflächen angetan. Da ich meine Zeit leider nur im Urlaub am Meer verbringe, nutze ich in „unseren Breiten“ regelmäßig an Flüssen die Gelegenheit, solche Bilder umzusetzen. Damit ich nicht immer gleich die 100 Kilometer zum bevorzugten Fotospot in Belgien fahren muss, nutzte ich die Resturlaubstage im Dezember und erkundete in der Kölner Nachbarschaft einige Abschnitte der Erft, Sieg und Wupper (in Bergheim, Troisdorf und Leverkusen). Und ich wurde fündig...

Die folgende Serie zeigt eine Auswahl meiner besten Aufnahmen. Für Nicht-Naturfotografen sei gesagt, dass diese farbintensiven Spiegelungen auf den Wellen beispielsweise dann auftreten, wenn das gegenüberliegende Ufer im letzten Licht angestrahlt wird oder aber sich die untergehende Sonne im abfallenden Wasser einer Stromschnelle spiegelt.

Übrigens: mir wurde in Bezug auf meinen letzten Blog-Eintrag zurückgespielt, dass es durchaus interessant sei, mit welchem Aufwand die jeweiligen Bilder entstehen. Das möchte ich dieses Jahr öfter tun und deshalb auch hier eine kurze fototechnische Erklärung für alle Interessierten. Die Schwierigkeit bei diesen Bildern lag vor allem in den folgenden vier Bereichen:

  1. Das Zeitfenster: die hier gezeigten Bilder sind fast alle nur in einem ganz kleinen Zeitfenster umsetzbar, in dem dann das Wetter und die Sonne mitspielen müssen. Das beginnt ca. 45 Minuten vor Sonnenuntergang und endet etwa 20 Minuten danach (entsprechend umgekehrt bei Sonnenaufgang). Ideale Bedingungen herrschen meist nur für wenige Minuten innerhalb dieses Zeitraums.
  2. Das Finden des Motivs: die hierzu geeigneten Stellen sehen vor Ort, sozusagen im „Weitwinkel-Modus des menschlichen Auges“, erstmal völlig unspektakulär aus. Gerade die ganz abstrakten Strukturen zeichnen sich oft nur in dem Bruchteil einer Sekunde im Wasser ab und auch nur in einem bestimmten (recht flachen) Blickwinkel. Nur wer ganz akribisch sucht, der findet ;-)
  3. Die genaue Belichtungszeit: das Timing ist entscheidend. Man kann keine pauschale Belichtungszeit empfehlen, aber die Zeit schwankt so in etwa zwischen einer halben Sekunde und einer 30stel. Dies hängt immer von der Fließgeschwindigkeit des Wassers ab sowie der Form und Farbe des Motivs. Eine zu kurze Belichtungszeit sieht oft zu nüchtern aus und nur wenig „malerisch“. Bei einer zu langen Belichtungszeit gehen Details und Schärfepunkte- bzw. -linien verloren und es ist schnell zu abstrakt und konturlos.
  4. Der Einsatz des „Polfilters“: ein solcher Filter kann die Wasseroberfläche entspiegeln und bestimmte Farben intensivieren. Die Herausforderung liegt nun darin, die genaue Stärke der Absorption einzustellen, mal ist weniger und mal mehr Spiegelung gefragt.

Wenn ich eine interessante Form und die benötigte Kameraeinstellungen gefunden hatte, habe ich bei diesen Szenen so viele Bilder per Serienbildfunktion schießen müssen wie schon lange nicht mehr, damit das Gesamtbild auch „clean“ ist. Vom Prinzip her hat man nämlich bei 100 Bildern ca. 50 mal quer fliegende Wassertropfen im Bild (diese bilden unschöne weiße Streifen) und von den übrigen 50 sind bei 49 Bildern ungewollte Schatten und andere Strukturen im Bild, die wenig harmonisch wirken. Daher habe ich bei den insgesamt 11 Touren ca. 13.000 Bilder geschossen (Stand 7. Februar), was einer Ausschussquote von etwa 99,8% entspricht. Tja, Naturfotografen sind schon ein wenig verrückt, aber die Ergebnisse waren es mir wert.

Beste Grüße,

Thomas

Diese Färbung stellte sich in der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang ein (B446)
Diese Färbung stellte sich in der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang ein (B446)
An Stromschnellen bauen sich mitunter solche Wellen auf, zumindest für einen kurzen Augenblick (B445)
An Stromschnellen bauen sich mitunter solche Wellen auf, zumindest für einen kurzen Augenblick (B445)
"Feuerball" (B444)
"Feuerball" (B444)
Farben und Formen pur (B443)
Farben und Formen pur (B443)
Black and white (B442)
Black and white (B442)
Mini-Wave (B441)
Mini-Wave (B441)
Im Strom (B440)
Im Strom (B440)
Die letzten Sonnenstrahlen (B439)
Die letzten Sonnenstrahlen (B439)
Sundowner (B438)
Sundowner (B438)
Bewegung im Spiel (B437)
Bewegung im Spiel (B437)
Farben und Formen (B436)
Farben und Formen (B436)
Swell (B435)
Swell (B435)
Stromschnellen (B434)
Stromschnellen (B434)
Wellenbäume (B432)
Wellenbäume (B432)
Nur Wasser und Steine? (B431)
Nur Wasser und Steine? (B431)
Sundowner (B430)
Sundowner (B430)
Dies erinnerte mich ein wenig an die schmelzende Uhr Salvador Dali`s (B429)
Dies erinnerte mich ein wenig an die schmelzende Uhr Salvador Dali`s (B429)
Eiswelle (B428)
Eiswelle (B428)
Farben und Formen (B426)
Farben und Formen (B426)
Lightning (B425)
Lightning (B425)
Black and white (B424)
Black and white (B424)
Brechend (B423)
Brechend (B423)