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Meine Tipps zur Vorbereitung der ersten Foto-Reise (Landschaftsfotografie im Norden)

An vielen Tagen auf einer Fotoreise ist man als Teilnehmer:in einfach nur überwältigt und gerade, wenn die Bedingungen gut sind, läuft häufig alles wie am „Schnürchen“. Vor allem an den exotischen, nordischen Spots der Landschaftsfotografie können die Bedingungen aber auch mal herausfordernd werden. Doch darauf kann man sich vorbereiten.

 

Ich empfehle den Artikel jenen, die weniger Vorerfahrung mit Fotoreisen bzw .Workshops in der Landschaftsfotografie haben und sich entsprechend vorbereiten möchten. Ich glaube die fünf Minuten Lesezeit sind gut investiert 😉

DIE HERAUSFORDERUNG

„Herrje, ist der Wind heute böig, die Temperaturen gerade echt schnittig, der Wasserfall vor mir bietet 1000 mögliche Perspektiven, aaaah, jetzt kommt das Licht durch, schnell die Einstellungen anpassen, halt – welche Filter brauche ich nochmal - Sekunde, warum fotografieren gerade alle in die andere Richtung und ist da eigentlich noch Offenblende von vorhin hinterlegt? Ach, ich hab ja noch die manuelle Fokussierung drin… und warum ist mein Sucher gerade schwarz?“…

Auch an Traumorten wie Island oder Norwegen ist man als Workshopteilnehmer:in schonmal schnell den vielen Eindrücken und gleichzeitigen Herausforderungen erlegen. Damit potenzieller Frust gar nicht erst aufkommt, möchte ich heute auf einige Erkenntnisse eingehen, die ich gerade aus den letzten beiden Jahren Coachings und Workshops gewinnen konnte.

MEINE EMPFEHLUNGEN

Vor jedem Workshop werde ich gefragt, ob ich noch spezielle Empfehlungen zum Equipment habe. Hier also mal eine Liste mit Dingen, die vor Ort regelmäßig Schwierigkeiten bereiten:

  • Filterwahl: keep it simple! Es gibt sicher eine 3stellige Anzahl von Filter-Arten auf dem Markt. Einige Teilnehmer:innen wollen direkt alles perfekt machen, kaufen sich sehr viele Filter und hadern vor Ort täglich mit der richtigen Filterwahl. Nach meiner Erfahrung genügen erstmal vier Filter, um den Großteil aller üblichen Situationen abdecken zu können. Und zwar ein Polfilter, ein 0,9 soft Grauverlauffilter sowie ein 8x und ein 64x Graufilter. Ich selbst nutze NISI-Filter.
  • Ultraweitwinkel: Jeder Millimeter an Winkel macht Sinn! Viele Teilnehmende mit einem 16-xx mm Weitwinkelobjektiv sagen am Ende des Workshops, dass ein 14-xx doch vorteilhafter gewesen wäre. Ich teile diese Meinung und empfehle solche Objektive, also etwa ein 14-24 oder 14-35. Gerade bei der Fotografie am Meer oder bei Nordlichtern. Ich selbst nutze dieses Ultraweitwinkelobjektiv.
  • Kamera/Kopf-Verbindung: eine schlechte Verbindung zwischen Kamera und Kugelkopf kann schnell für Frust sorgen: ich empfehle für die Kamera einen passenden L-Winkel und für den Kugelkopf eine Schnellwechsel-Klemme. Ich nutze diese hier, allerdings reicht auch eine kleinere und leichtere Lösung; meine ist größer, da ich regelmäßig Supertele-Objektive darauf nutze.
  • Stirnlampe: Für die Sternen- oder Nordlichtfotografie ist eine Stirnlampe empfehlenswert, die über einen Rotlichtmodus verfügt (wegen der Dunkeladaption – bei Interesse ist das ein interessanter Artikel dazu).
  • Gummistiefel: Ja, manchmal sind die Dinge trivial. Für gute Perspektiven steht man während der Landschaftsfotografie häufig länger im seichten Wasser bis zu 20 oder 30cm Tiefe. Wenn man dauerhaft dort drin steht, steigen auch die besten Goretex Schuhe aus. Ich empfehle Gummistiefel mit einer guten Sohle und einem passenden Fußbett, die sich auch zum Wandern eignen. Zum Beispiel die Aigle Iso Parcour 2. Wichtig ist, sie während der Reise griffbereit zu haben. Man muss sie nicht an jeden Spot tragen, aber ich empfehle sie immer im Auto bzw. Bus zu lassen. Außer von Mai bis Oktober gilt das gleiche übrigens für „Grödel“ (Spikes) in den nordischen Ländern.
  • Handschuhe: Die besten Handschuhe bei Fotoreisen sind solche, mit denen man zufälligerweise auch die Kamera bedienen kann 😉 Viele Handschuhe sind zwar warm und schick, werden allerdings vor Ort meist ausgezogen – zum Einstellen der Kamera, Umstecken eines neuen Filters, Drehen eines Rädchens etc. Am Ende bleiben öfter kalte Finger. Daher mein Tipp: extra Handschuhe kaufen, die zum Fotografieren geeignet sind, und mit denen man zum Beispiel auch feine Rädchen und Tasten zur Einstellung der Blende fühlt. Ich persönlich nutze solche, aber es gibt auch spezielle mit abnehmbaren Fingerkuppen
  • Trockentücher: Ausreichend Putztücher zum Wechseln - einmal durchgenässt funktionieren sie nicht mehr – daher am besten mehrere Größere mitnehmen; ich empfehle zum Beispiel solche XL-Brillenputztücher.

Typische Einstellungen, die regelmäßig "fehlerhaft" vorgenommen werden (unter dem Einfluss der vielen neuen Impressionen einer Fotoreise verständlicherweise schnell passiert):

  • Objektivwechsel: das offene Bajonette der Kamera wird in Windrichtung gehalten und es entstehen Sensorflecken. Lösung: Kamera auf dem Kugelkopf belassen, mit dem Körper eine Art Windabdeckung erzeugen, Bajonette nur kurz offen halten und schnell switchen (schwierig, wenn eine Hand noch die Kamera halten muss).
  • Stativaufbau: Es gelangt bei der Meeresfotografie zu viel Lavasand in die Gewinde, wodurch sich das Stativ kaum noch verstellen lässt. Lösung: ziehe an feinen Lava-Sandstränden das unterste (dünne) Segment deines Stativs komplett aus und lasse es dann so, bis zum Ende der Session. Adjustiere die Höhe über die weitere Segmente oder den Winkel. Spüle den Sand nach der Session ab, BEVOR du alle Segmente wieder einfährst. Und ja, bei einem guten Stativ ist die Stabilität auch mit dem untersten Segment ausreichend 👍
  • Mehrfachbelichtung: Bei direkter Sonneneinstrahlung entstehen auf den finalen Bildern ausgebrannte (weiße) Stellen. Lösung: im stärkeren Gegenlicht ist eine Mehrfachbelichtung empfohlen (z.B. über Bracketing, HDR, etc). Auch wenn noch nicht bekannt ist, wie man diese in der Nachbearbeitung ideal zusammen setzt, macht es Sinn, immer noch deutlich dunklere Aufnahmen solcher Szenen zu erstellen – mehr dazu im Workshop, ist vor Ort in fünf Minuten erklärt😉
  • Unschärfen werden im Bild sichtbar. Die Lösungen sind abhängig von den Ursachen, diese sind meist:
  1. Bildstabi: Trotz der Nutzung eines Statives ist der Bildstabilisator eingeschaltet (kann je nach Stabi und Brennweite zu leichter Unschärfe führen).
  2. Fokusebene: Das Autofokusfeld wird zu nah positioniert (mit klassischem Landschafts-Setup lieber zu weit nach hinten setzen, sonst wird z.B. eine ganze Bergkette im Hintergrund unscharf – in den Workshops gehe ich auf diesen Punkt natürlich genauer ein).
  3. Blendenwert: Zugunsten einer längeren Belichtungszeit werden zu hohe Blendenwerte eingestellt, z.B. größer als f/16, dadurch entsteht starke Beugungsunschärfe. Lösung: Einsatz von Graufiltern.
  4. Fingerdruck: Im Moment der Auslösung wird die Kamera berührt (Unschärfe durch leichte Erschütterung; lösbar durch Kabelauslöser, Fernauslöser oder zeitversetzter Selbstauslöser, i.d.R sind 2 Sekunden ausreichend).
  5. Stativstand: Bei der Fotografie im Sand sackt das Stativ langsam ein. Gerade bei längeren Belichtungen kritisch. Lösung: dazu sollte es beim Aufbau an einer neuen Stelle zunächst langsam von oben eingedrückt werden, sodass es im Wellenbereich nicht weiter einsickert.

Last but not least noch zwei Tipps, die ich euch noch persönlich sehr ans Herz lege:

  • Take care: Achte bei der Fotografie in der Brandungszone auf JEDE Welle und lasse sie niemals außer Acht, auch wenn die Gefahr gerade sehr gering erscheint. Als Fotograf bewegt man sich häufig mit Blick durch den Sucher – bei diesem „Scheuklappeneffekt“ vergisst man schnell die Umgebung und gerade auf Island gibt es die so ziemlich höchsten Sneaker Waves Europas. Aber auch an der spanischen und portugiesischen Atlantikküste sowie im europäischen Nordmeer auf den Lofoten habe ich dieses bereits öfter beobachtet. Es kommt also in regelmäßigen Abständen eine Welle, die deutlich höher ist als zuvor vielleicht minutenlang beobachtet.
  • Entschleunigung zulassen: Du bist gerade an einem tollen Spot? Löse dich von dem Gedanken, hier und jetzt ALLES Interessante an diesem Spot fotografisch einzufangen – ein "drauf los Rennen" verursacht Stress und Flüchtigkeitsfehler bei der Umsetzung. Lass dir Zeit bei der Auswahl des Motivs, lass die Umgebung und Details erstmal auf dich wirken, bevor du durch deinen Kamera-Sucher blickst. Suche dir eine, maximal zwei Szenen heraus und setze diese ganz in Ruhe um. Wenn du zufrieden bist, atme durch, genieße die Natur suche dir das nächste Motiv…

Und das war`s schon! Ich hoffe ein paar interessante Fakten für die Vorbereitung vermittelt zu haben und wünsche nun einen schönen Tag,
Thomas